Der spanische Flügel der Semantik, die Hürden, die ein Mensch nehmen muss, um sein Ego dem Unterdrücker zu beugen – wie sich ein beiläufiger Kinogang gebiert, den man aus Arroganz und Überheblichkeit zwischen Völlerei und Trinkgelagen einkerkert; weil die Zeit fehlt, oder der Sinn danach. So begibt man sich ins Kino, etwas abgeschreckt von irdischen Zwängen (Lauflänge eines Filmes, die nie etwas zu sagen hat) und muss erkennen, dass die bisherige filmische/künstlerische Sozialisierung erst zu bröckeln und schließlich auseinanderzufallen beginnt. Wie ein Monolog der anstelle eines Endes, wieder von neuem beginnt; Lügen einstreut, Fehler ausmerzt, Sätze in die Länge zieht, Konsonanten verschluckt – weil sie den Rhythmus stören; und der in seiner finalen Form kaum noch akustisch und inhaltlich sinnstiftend wahrnehmbar ist, er wird das Gespenst im Raum, der Staub auf dem Schrank, oder einfach nichts – versteht ihn ja niemand.
Ich überlege, wie sich der Ton, das Bild und die Zeit im metaphysischen Raum anordnen lassen; wenn der Ton die Beziehung zum Bild verliert; eine Erzählerstimme, die das aktive Element des Bildes kommentiert - “Now both hands are reaching for and grasping the typewriter, lifting ist and replacing it upside down”, die bildliche Ebene korreliert mit der auditiven; allerdings gerät dieses Verhältnis aus den Fugen und unbemerkt vom eigenen Zeitempfinden findet man sich im chaotischen Zustand einer divergenten Wahrnehmung – Bild und Ton verlieren sich in den unzähligen Kanälen unseres Hirns, oder auch: Die Erzählerstimme beschreibt Handlungen die entweder bereits passiert sind, erst passieren werden oder vielleicht gänzlich erlogen sind; wer weiß das schon, wer will sich eingestehen dass er beiden Ebenen blind vertraut hat und als wehrloser und nichtsahnender Köder ins Netz gegangen ist. Und in diesem Zustand des Unbehagens, der Orientierungslosigkeit imaginiert man sich bekannte Bilder, sei es der Umriss einer Westernstadt, oder das Innenleben einer Bar, als würde das filmische Bewusstsein den Empfänger übermannen, keine rationale Einordnung, aber die Flucht in Traumszenarien, die sich in unser Denken eingebrannt haben – beim Sehen, beim Hören, beim Fühlen.
Wie würde nun ein solches Kino aussehen, das nur periphere Töne produziert und der/die Sehende müsse die Dialoge und Zwischentitel von einem Blatt Papier ablesen. Welche Barrieren würden dadurch entstehen, welche Irritationen, aber auch welche Möglichkeiten würden sich ergeben; man nehme einen internationalen Film, beispielsweise aus Portugal; der überdurchschnittlich gebildete Mensch wird der Sprache vielleicht mächtig sein, aber für dieses Beispiel kennt er die Sprache nicht, ihre Feinheiten, ihre Dialekte und Formen. Dieser Mensch würde, wenn er einen solchen Film in Kino sehen wollen würde, mit dem filmischen Quelltext im finsteren Saal sitzen (es sei denn, man verändert den Zustand der Kinos, reinstalliert kleine Tische für einzelne Sitze und womöglich findet sich auch Platz für eine kleine Lampe, die die Tischfläche spärlich und dezent ausleuchtet) und versuchen, sein Verständnis von – in diesem Fall – portugiesisch mit dem übersetzten Text in denselben rhythmischen Kanal zu bringen. Gelingt ihm dies nicht - übersieht er vielleicht Sprechpausen oder liest zu schnell in Relation zum filmischen Tempo - zersetzt sich der Film in unzählige Fragmente, die ob ihrer Isolation nichts mehr bewirken können. Selbst ein Versuch, den Ton & Text auszublenden, würde nichts als Selbstverleumdung bedeuten – sich ein Werk so zurechtzulegen, dass es sich dem eigenen Anspruch angleicht und sich aus dem kohärenten Rahmen des Künstlers löst.
Aber letztlich ist diese Form unumgänglich, da sie den Zusehenden fordert, sich dem Material dialektisch zu nähern, seine Feinheiten zu verinnerlichen und gegebenenfalls zu dekonstruieren. Andernfalls verfällt er immer und immer wieder in den flussartigen Zustand der Wehrlosigkeit, wie der abgebrochene Ast im reißenden Fluss, der sich zwar verheddern kann, aber nie mehr das Ufer erreichen wird. Oder der Maler, der eine Linie zieht und das Ende nicht erreicht, der Turner dessen Salto in der Luft stecken bleibt und verschwindet.
Der Mund formt das Wort “fuck” aber wir hören Silbengulasch; wer ist hier der Lügner und wer der Dumme:
Und die Farbe wird zum Zirkus der Dinge; all die gesprochenen Laute, die kratzenden Schallplatten und die aufsteigenden Zahlen; all dies besteht nur in dem Zwischenraum, den die Primärfarben willentlich eröffnen; Primärfarben - Füller - Primärfarben - Füller - Primärfarben - Füller. . . und so weiter. Ist das schon Strukturalismus oder einfachste Kriegführung - irgendwann entschwindet die Farbe dem Bildformat und taucht in der Tiefe des Bildes wieder auf, die kleine Farbpalette, ein farbiger Filter der Gesichter transformiert – du warst so anders als du noch grün warst. Ich liebe dich, aber du bist so grau und schwarz, so weiß wie die geklaute Perle vom Fischmarkt – zur Erinnerung reicht ein Foto und ein grüner Filter.
Nichts als Schall und Rauch, Winterlandschaften im Ehebett und das langhaarige Scheusal von Tier – die Krähe erschiene nur halb so bedrohlich, verstünde man ihre Drohgebärden nicht – der stille Schrei, Hitchcock oder der taube Beethoven – man müsste sich die Lautsprecher ans Ohr kleben, um auch nur einen Bruchteil dessen zu verstehen, was Michael Snow mit der Gegenüberstellung semiotischer Klangarchitektur und dem aufs Wesentliche gestutzte Bild aufzuzeigen versucht. Vielleicht braucht es diese Erkenntnis auch nicht und wir sind in unseren geistigen Fehlbildungen bereits so weit fortgeschritten, dass selbst die Aufnahme von neuem Wissen nur die Außenwände unserer Dummheit ankratzt und wir weiterhin nicht erkennen, dass uns jeder Filmemacher dessen Filme der Snow’schen Logik von disparatem Ton & Bild nicht nachkommen können; also nicht funktionieren, würde man die Zeitebenen verschieben und Tonspur verzerren; für blöd verkauft und sich wie das dümmste Huhn am Jahrmarkt anpreist – so laut dass die Linse verschwimmt. Man hört das Huhn wie ein Pferd schnauben, sieht nur dass die innere Leere sich zum Loch ausbreitet, sich all die auswendig gelernten und missverstandenen Aphorismen im Nichts auflösen und das lediglich, weil das dumme Huhn schon mehr von Film und seiner direkten Verbindung zum Rezensenten verstanden hat als man selbst.
Und die Drogen, die du nimmst, können keine Krähen verstummen lassen, bis der Vorhang dir das Licht nimmt, fliehst du nur vor dem Schatten, den du selbst wirfst, der letzte Mensch, der nichts versteht, bist du; weil du nicht glaubst, was du siehst, und zuhörst, wenn der Lügner spricht. Die Muse am Altar haucht dir Gift in den Rachen, the latest news: he was banned from his local cinema, no crows allowed, just donkeys in the Stalls.